Mittwoch im Glück

Schon Gestern habe ich meine Welt nicht mehr verstanden, lag ich doch bei Jonas meinem persönlichen PC-Doktor auf dem Sofa. Seine Augen waren unglaublich blau, ich habe mich tatsächlich in ihnen verloren. Mit offenem Mund habe ich ihn angestarrt, so lange bis er total irritiert gefragt hat: "geht es dir nicht gut? Also außer der Hand meine ich." Ach ja meine Hand, erst da hat sie wieder wie höllisch weh getan. "Mir gehts gut." Habe ich geantwortet und verwirrt mit meinen verletzten Fingern eine Träne weggewischt die immernoch an meiner Wange hing. "Aua" entfuhr es mir da promt. Man bin ich blöd und warum verwirren mich ein paar Augen so dermaßen? Jonas war wirklich lieb zu mir, eigentlich habe ich das nach allem ja gar nicht verdient. Er hat mich sogar zum Abendessen eingeladen. Wärend er die Fertigpizza in den Ofen geschoben hat, habe ich an seinem PC den gestrigen Eintrag verfasst.
Und jetzt sitze ich wieder hier, auf einem schwarzen Ikea-Schreibtischstuhl, in der Wohnung eines Computerfreaks, der gar nicht so abgedreht ist, wie ich dachte und der richtig gute Teesorten Zuhause hat.
Heute Morgen war ich vllt überrascht als ich aufgewacht bin, in einem fremden Bett und halbnackt. Dabei konnte ich mich beim besten Willen nich mehr daran erinnern hier geschlafen zu haben und schon gar nicht daran, mich ausgezogen zu haben.
Ich werde doch nicht mit Jonas... weiter konnte ich den Gedanken nicht denken, denn Jonas kam mit einem Tablett ans Bett. Er strahlte und sah so glücklich aus wie ich ihn noch nie gesehen habe. "Ich mag deinen Computer", meinte er als er das Tablett vor mir, auf dem Bett, abstellte und sich an auf der Bettkante niederlies.
Ein wenig panisch habe ich die Decke bei seinem Anblick bis unter mein Kinn gezogen, obwohl es ja eigentlich überflüssig war. Scheinbar hatte er letzte Nacht viel mehr von meinem Körper gesehen als nur das.
"Was ist letzte Nacht passiert?" frage ich ihn und versuchte dabei nicht panisch oder aufgelöst zu klingen. Wir hatten Pizza gegessen und einen Film gesehen. "Transporter" oder so, danach noch "Underworld" und er hatte mich erschreckt. Gott war ich zusammengezuckt als diese dumme U-Bahn einfach vor der Hauptdarstellerin aufgetaucht ist. Dumme Stelle. Ich sage Ihnen, sehen sie sich den Film nicht mit jemandem an, der den Film schon kennt und gerne andere erschrickt.
Danach haben wir noch gequatscht soweit ich weiß. Alkohol haben wir gar keinen getrunken, da bin ich sicher denn Jonas hatte keinen Zuhause und ich mag das Zeug eh nicht.
"Nichts ist passiert." jetzt sah er doch tatsächlich leicht pikiert aus. "Du bist am Sofa eingeschlafen, ich hab dich ins Bett getragen. Das wars." Das wars? kann ja schlecht alles gewesen sein oder? Es erklärte zwar warum ich im Bett lag aber nicht warum ich nur so wenig anhatte. "Und meine Sachen?" ich sah ihm bei der Frage direkt in die Augen und er wurde wirklich rot. "Ich" stammelte er, "naja ich dachte du schäfst lieber in Unterwäsche als in der Jeans." "Du hast mich ausgezogen?" meine schlimmste Vermutung schien sich zu bestätigen, hatte der Mistkerl mich einfach meiner Kleidung entledigt als ich wehrlos vor mich hingedöst habe? Hatte er mir vllt sogar etwas in den Tee getan um das zu erreichen? Aber nein er hatte es nicht und scheinbar bereute er es sehr mich entkleidet zu haben. "Ich habe dich nur ausgezogen, also bis zur Unterwäsche sonst nichts, wirklich." Gott jetzt fand ich ihn wieder süß. Wie ein kleiner Junge stammelte er die Rechtfertigung und war rot wie eine Tomate. "Passt schon. Ist das alles für mich?" mit einem Blick auf das reichlich beladene Frühstückstablett wollte ich das Thema wechseln. Er hatte einen Fehler gemacht, man(n) zieht ja nicht einfach eine Frau aus, aber er hatte es mit einem guten Willen und gutem Gewissen getan. Also Schwamm drüber.
Mehr interessierte mich im Moment, der Schinken der schmakhaft vor mir stand und zu flüstern schien: "Iss mich." "Ich wusste nicht was du sonst so frühstückst. Ich dachte ich bring dir einfach einmal alles was ich dahabe." Miam, lecker aber momentmal wenn das alles für ich ist, hatte er dann etwa schon gegessen? Ich konnte ja schlecht vor ihm essen und ihn dabei zusehen lassen wie ich wieder einmal die Beherschung verlor und viel zu viel in mich stopfte oder? Vorsichtig habe ich eine Scheibe Toast mit einer Scheibe Schinken belegt und dann liebevoll abgebissen. Er strahlte und nahm sich ebenfalls einen Toast mit Schinken. Diese Erleichterung, nicht alleine Essen zu müssen. So saßen wir heute Morgen da, Toast mampfend und entspannt.
Ich kann die Stimmung so schlecht beschreiben, sie war wie aus Watte, die sich um uns gelegt hat. Weich und beruhigend. Bis, er mich wieder so lange angesehen hat und ich die Beherschung verlor. Nicht beim Essen sondern die Kontrolle über meinen Körper! Wie von alleine haben meine Fingerspitzen erst seine Wange dann seinen Nacken berührt um schließlich mit einem wohlgeübten Druck seinen Kopf zu mir zu ziehen. Gut Widerstand hat er nicht geleistet, im Gegenteil, kaum waren meine Finger in seinem Nacken, lag ich schon, ich weiß nicht wie er es angestellt hat, in seinen Armen. Diese waren gar nicht so dürr wie ich es eigentlich erwartet habe, typisch, dass Jonas sich nicht an meine Vorurteile halten konnte, das alles hat uns ja erst in diese Situation gebracht. Solche Augen gehören verboten. Jedenfalls waren unsere Lippen so schnell aufeinander, dass es gar nicht zu verhindern gewesen wäre. Er war ziemlich stürmisch, einen Augenblick lang hatte ich das Gefühl gefressen zu werden, bis ich mich zumindest soweit im Griff hatte, die Führung zu übernehmen.
Das Tablett landete mit einem Krachen am Boden, verstört schossen wir außeinander und irritiert sahen wir das dumme Ding an. Dann begann Jonas doch tatsächlich zu lachen und es klang so anders als alles was ich jemals gehört hatte und so anders als alles was ich erwartet hätte. Ich konnte nicht anders, ich begann ebenfalls zu lachen. Erst war es nur ein Kichern, das ich zu unterdrücken versuchte aber dann lachte ich doch. Noch nie war ich so glücklich gewesen, so entspannt und gleichzeitig so verwirrt wie hier an diesem Ort.
Wie konnte ich einen PC-Doktor küssen, wie konnte ich im Bett eines Computerfreaks aufwachen und vorallem wie konnte ich mich in eben jenen Loser verlieben?

18.11.09 15:57

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bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


jimi (21.11.09 00:21)
aaaachh,.. ich find das so süß wie du schreibst!
ich schreib eigentlich nie kommentare, irgendwie auch doof ohne blog, aber .. oh mein gott :D
das klingt so toll das ich fast tränen in den augen hab, hoffnungslose romantikerin wie ich bin..

wünsch dir mit jonas viel glück

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